Architektur

Wege zur Baukultur in Sulzberg und Thal

Die beiden Rundwege, die wir Ihnen vorstellen, führen auf die Spuren der Baukultur in Sulzberg und Thal. Die ausgewählten Häuser erzählen interessante Geschichten: Von der Zeit, in der sie entstanden sind. Wie sich der Ort entwickelt hat. Worauf Bauherren und Architekten Wert legten und legen.

In diesem Sinne sind die Häuser ein Ausdruck der Gestaltungsfreude ihrer Bewohner. Sie zeigen auch, wie sensibel der Ort und seine Bewohner es verstehen, Historisches zu erhalten und gleichzeitig Neues entstehen zu lassen.

Die Broschüre - Wege zur Baukultur in Sulzberg und Thal - erhalten Sie kostenlos im Tourismusbüro.

Werkraum Bregenzerwald

Im Bregenzerwald ist die Kultur des Bauens und Wohnens augenfällig. Die Bewohner selbst wissen die handwerkliche Fertigung in kleinen und mittelständischen Betrieben seit jeher zu schätzen. Zuverlässigkeit, solide Verarbeitung und gute Gestaltung haben zur Folge, dass Handwerk und Gewerbe im Bregenzerwald die größten Arbeitgeber sind. Rund 40 Prozent aller Erwerbstätigen finden hier eine Beschäftigung.

Nirgendwo in Europa gibt es eine vergleichbare Dichte an Handwerksbetrieben. Früher haben die Vertreter der Auer Baumeisterzunft mit ihren barocken Kirchen und Klöstern bedeutsame kunsthistorische Beispiele geschaffen. Heute ist es das Handwerk, das sich mit formschönen und zweckmäßigen Produkten einen Namen über die Grenzen hinaus gemacht hat. Seit mehr als 20 Jahren wird mit dem Wettbewerb Handwerk+Form im Dreijahresrhythmus der Öffentlichkeit vorgeführt, wie Fachleute aus allen Bereichen des Gestaltens mit Handwerkern aus dem Bregenzerwald zusammenarbeiten, um alltagstaugliche und material- und formgerechte Objekte zu entwickeln.

Ein Haus für das Handwerk
Vier Jahre lang wurde intensiv geplant, seit Februar 2012 gebaut, im Juli eröffnete das Werkraum Haus in der traditionell handwerklich geprägten Gemeinde Andelsbuch. Architekt ist Peter Zumthor, der international renommierte Architekt aus der Schweiz, der dem Handwerk im Bregenzerwald seit dem Bau des Kunsthauses Bregenz eng verbunden ist.

Peter Zumthors Entwurf für das Werkraum Haus beruht auf zwei Grundgedanken. Einerseits dient das Gebäude als Versammlungsort und andererseits als große Vitrine – als Schaufenster zur Handwerkskultur im Bregenzerwald. Ausdruck dieser Idee sind ein weit ausladendes Holzdach und zurückversetzte Glasfassaden. Darüber hinaus beherbergt das Werkraum Haus einen Shop und eine Wirtschaft.

Im Bregenzerwald hat sich in den letzten Jahren parallel zur modernen Architektur eine eigenständige, design-orientierte Handwerkerszene entwickelt, deren Werke im In- und Ausland gefragt sind. Rund 85 innovative Handwerker – von Tischlern bis zu Textildesignern – haben sich im Werkraum Bregenzerwald zusammengeschlossen. Als gemeinsame Plattform organisiert der Werkraum Ausstellungen, Wettbewerbe und Vorträge.

Öffnungszeiten
Dienstag bis Samstag
Di – Do 10-18 Uhr
Fr 10-20 Uhr
Sa 10-16 Uhr

Information
Werkraum
T +43 (0)5512 26386
www.werkraum.at 

Der Werkraum Bregenzerwald
Seit seiner Gründung im Jahr 1999 bildet der als Verein organisierte Werkraum Bregenzerwald eine Plattform für innovatives Handwerk im Bregenzerwald. 85 innovative Betriebe sind derzeit Mitglied, überwiegend Holzverarbeiter wie Tischler und Zimmerer, aber auch Schlosser, Steinmetze, Maurer, Installateure, Elektriker, Maler, Polsterer, Textilverarbeiter, Schuster bis hin zu Exoten wie Küfer oder Holzbildner. Die meisten Betriebe haben bis ca. fünf Mitarbeiter, einige sind Einmannunternehmen, wenige haben zweistellige Belegschaften.

Handwerksqualitäten
Arbeit vor Ort, Eingehen auf den besonderen Fall, Direktbeauftragung, Kundennähe und Flexibilität sind Qualitätsmerkmale dieser Handwerksarbeit, fachliches Können und gestalterisches Gespür vorausgesetzt, erworben in einer hochentwickelten Handwerkskultur und selbstverständlich weitergegeben an die nächste Generation. Dieser Fundus wird gepflegt und ständig erweitert: Rohstoffe, die Weißtanne etwa, werden aufs feinste kultiviert; mit Kleinserien im Möbelbau werden neue Märkte erschlossen; Vorfertigung von Bauelementen etwa im Hotelbau werden vorangetrieben; neueste Fertigungstechnologien wie CAM und CNC sind eingeführt; das Finish etwa bei Beschichtungen wird erweitert – Handwerkskunst trifft allenthalben  Ingenieurswissenschaft.

So verwundert nicht, dass in Athen Küchen aus Hittisau zu finden sind, die Einrichtung eines Studentenwohnheims in Massachusetts aus Schwarzenberg stammt oder 2008 auf dem Dach des MoMa in New York eine Wohnzelle aus Reuthe zu sehen war.

Öffentlichkeitsarbeit, Werbung, Marketing – all das, was die Industrie dem Handwerk voraushat, leistet der Werkraum. Doch ohne großes Budget, dafür mit einem Kapital, das handwerkstypisch ist: Kopf und Hand, Vernetzung, Verknüpfung. So konnte die interessierte Öffentlichkeit in Wien, München, Paris u.a. Ausstellungen des Werkraum sehen, ist er in der Fachpresse allgegenwärtig, wird der Werkraum als „Landschaft des Wissens“ geführt.

Nicht nur das: Der Werkraum hat sich immer vor Ort engagiert – sei es bei der Ausbildung, sei es in den Schulen, sei es bei konkreten Bauprojekten, sei es beim Umgang mit historischer Bausubstanz. Er ist ein Beitrag zum Strukturwandel der Region und ein Beispiel sozialer Kompetenz. Bei aller internationalen Reputation: noch immer gehen viele Lieferungen  an die Kundschaft in Vorarlberg, bleibt ein Großteil im Tal. So leistet dieses Wirtschaften in engen Kreisläufen einen wichtigen Beitrag zum Wohlstand der Talschaft.